Asiatische Blütenwunder
Eigentlich sind Kamelien unverzichtbarer Bestandteil des täglichen Lebens: Alle Teetrinker unter den Gartenfreunden nehmen mit jeder Tasse des aromatischen Heißgetränks einen Schluck Sud aus getrockneten Spitzen junger Kamelientriebe zu sich. Der Teestrauch ist nämlich ein eher unauffällig blühender Vertreter der Gattung Camellia.
Carl von Linné benannte den variantenreichen und spektakulär blühenden Zierstrauch nach dem böhmischen Missionar Camellus, der auf der Philippineninsel Luzon auf den Spuren der einheimischen Flora wandelte.
Unverzichtbar sind Kamelien auch in allen Gärten milderer Klimazonen: Auf Madeira wachsen sie zu baumhohen Blütenwällen, in Cornwall und Südengland zieren sie Vorgärten und Parks, selbst über die bewehrten Mauern des Londoner Buckingham Palace wogen die blütenschweren Zweige im April.
Seit einiger Zeit werden sie auch hierzulande angeboten, wo sie als »Freilandkamelien« nun auch Gärten verschönern.
Als ganz großer Wurf darf darum die Entwicklung der Camellia x williamsii gelten. Es handelt sich um eine Kreuzung von Camellia japonica mit der kleinblütigen und härteren Camellia saluenensis. Durchgeführt hat sie Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts J. C. Williams in Caerhays Castle, Cornwall.
Heute sind aus dieser Gruppe zahlreiche Sorten entstanden, die frosthärter sind als viele der Japonica-Kamelien.
Und sie haben einen weiteren Vorteil: Nach der immer sehr üppigen Blüte reinigt sich die Pflanze selbst. Nie sind verblühte Blumen am Strauch – es sei denn, ein Spätfrost bräunt die bunte Pracht vor der Zeit. Dann muss man der Schönheit ein wenig nachhelfen.
Die Gewohnheit, sehr früh zu blühen, konnte aber auch moderner Züchterehrgeiz kaum bändigen. Selbst in Deutschland fällt die Hauptblütezeit der meisten ausgepflanzten Kamelien in die Monate März und April. Nahende Fröste müssen dann, so gut es geht, mit einem übergedeckten Vlies abgehalten werden.
Im Sommer ist es wichtig, Kamelien ausreichend zu wässern. Dann bilden die Pflanzen Knospen für das nächste Frühjahr.
Wie alle Heidekrautgewächse (Ericaceae), zu denen die edlen Sträucher gehören, wurzeln Kamelien flach. Direkt an der Erdoberfläche bilden sie einen dichten Filz feiner Saugwurzeln. Deshalb muss diese Schicht durch häufiges und dickes Mulchen immer mit organischem Material angereichert werden.
Kamelien sind eben nichts für Ordnungsfanatiker. Erst recht nicht, wenn ein deutscher Garten mit Kamelien im Winter so aussieht, als habe mit Vlies, Folien oder Rohrmatten ein Möchtegern-Verpackungskünstler Hand angelegt.

