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Für Sie entdeckt auf der Chelsea Flower Fair in London

Tomate, Gurke und Co. ziehen in die Stadt
Junges Gemüse ist voll angesagt und zwar im Garten, auf der Terrasse und auf dem Balkon. Dieser Trend ließ sich auch auf der Chelsea Flower Show in London - der in Europa wohl bekanntesten Blumen-schau - beobachten. Wild rankende Tomatenpflanzen an Balkonbrüs-tungen und farbenfrohes Blattgemüse zwischen Rosen und Lavendel brachten die Produktion von Essbarem in den Focus. Auch das Thema Nachhaltigkeit ist nicht mehr aus dem Garten wegzudenken und wird immer perfekter umgesetzt.

Gemüse rundum
Die moderne Umsetzung eines traditionellen Küchengartens mit baro-cken Formen begeisterte in London das internationale Publikum. Früchte, Gemüse, Kräuter und Blumen, hier findet der Koch alles für Küche und Herd und das in nächster Umgebung. Kohl und Bohnen wuchsen neben Clematis und Rosen, Lavendel, Rosmarin und weitere Kräuter verströmten ihren Duft. Der Randabschluss der aus Weiden geflochtenen Hochbeete bestand aus massivem Zedernholz, welches die barocken Formen exakt aufnahm. Zwischen den Hochbeeten standen riesige Terrakottatöpfe mit Zitrus- und Feigenhochstämmen. Diese Art von Anlage eignet sich perfekt für städtische Innenhöfe. Die Hochbeete bringen nicht nur bunte Farben ins Spiel, sondern auch eine ganze Menge Essbares. Da die klimatischen Bedingungen geschützter Innenhöfe im urbanen Bereich um einiges milder sind als auf dem Land, ist hier im Zuge des Klimawandels vielleicht auch bald das problemlose Überwintern mediterraner Kübelpflanzen wie Oliven, Oleander und Feigen möglich.
Der zweite Garten, der sich auf der Chelsea Flower Show der Produkti-on von Nahrungsmitteln in der Stadt widmete, war der B & Q-Garten. Er wollte bewusst machen, dass es durchaus sinnvoll sein kann, auf verschiedensten urbanen Flächen Nahrungsmittel zu produzieren, da beispielsweise die bevorrateten Lebensmittel in den großen Metropolen lediglich wenige Tage ausreichen, um die Bevölkerung zu ernähren. So rankten sich hier dann Cocktailtomaten zusammen mit Ringelblumen, Kapuzinerkresse und kleinfrüchtigen Auberginen über die Balkonbrüstung eines stilisierten Hochhauses. Salopp könnte man hier von vertikaler Lebensmittelproduktion sprechen. Die Bewässerung der Tröge erfolgte über gesammeltes Regenwasser, Windräder und Photovoltaikanlagen sorgten für weitere Unabhängigkeit in Sachen Energie. Die sich anschließenden rechteckigen Beete, waren mit kas-tenförmig geschnittenen Linden und Maulbeerbäumen überstellt. Sie zeigten die ganze Vielfalt unserer essbaren Pflanzen, die uns Knollen, Rhizome, Blüten, Blätter, Früchte und Samen liefern. Rosen, Lavendel und Zierlauch bildeten einen bunten Kontrast zur ausgewählten Kräuter- und Gemüsepflanzung.

Insektenhotels in allen Sterne-Kategorien
Das direkt neben dem Hochhaus stehende bunte Insektenhotel wurde von Schulklassen und Jugendgruppen kreiert und beherbergte die für die Befruchtung der Nahrungsmittel zuständigen Bewohner. Insekten-hotels in allen Sterne-Kategorien waren als weiterer farbenfroher Trend dieser Ausstellung auszumachen. Teilweise wurden die Suiten und Hotelzimmer wunderschön in Naturstein-Trockenmauern integriert oder aber aus Holz oder Stahl in modernem Design umgesetzt.

Details schaffen Gartenidylle
Im Garten "A Postcard from Wales" konnte sich der Betrachter frei von den Zwängen des modernen Lebens fühlen. Dieser Garten symbolisierte das perfekte Rückzugsgebiet aus der Hektik des heutigen Alltags. Ein wunderschöner Ort für die Ferien oder vielleicht auch als eine ganz besondere Oase im eigenen Garten. Bemerkenswert waren die liebevollen Details, welche dieses Arrangement auszeichneten. Das verfallene Bootshaus am Rand eines kleinen trockenen Flussbetts wirkte völlig unberührt. Der kleine Bereich des Küchengartens war mit Treibholz aus einem Fluss eingezäunt. In der Bepflanzung herrschten sanfte Töne vor. Knabenkraut, Akeleien und Lichtnelken wirkten wie weiche Farbkleckse im satten grünen Gras neben dem Pfad, der wenig genutzt schien. Die rosarote Kletterrose und eine Feige wiesen darauf hin, dass dieses Grundstück nicht "Natur pur" war, sondern sehr wohl von Menschenhand geplant und gestaltet worden ist.
Mit kleinen feinen Detaillösungen, die wie aus dem echten Leben bzw. wie aus der Natur geschnitten wirken, lassen sich Gartenemotionen wunderbar transportieren. Hier ein weißer Tuff aus Fingerhut, der aussieht wie von selbst ausgesamt, dort eine Mauer - aufgesetzt aus altem gebrauchtem Naturstein - ein Stapel Brennholz oder auch eine alte Zinkwanne, in welcher bunte Blüten schwimmen; alle diese liebevoll arrangierten Details transportieren Gartenromantik pur. Ein darauf abgestimmtes Pflanzenkonzept macht das Gartenerlebnis perfekt.

Nachhaltige Gartenkonzeptionen
Damit man seinen Garten in Zukunft mit bestem Gewissen genießen kann, ist es notwendig, sich auch hier im Sinne der Nachhaltigkeit zu orientieren. Die Natur stellt uns gerade in diesem Bereich genügend erneuerbare Energie zur Verfügung, die wir mit entsprechender Technik gekonnt nutzen dürfen. Dass das Gartenparadies trotz dieser technischen Finessen ein schönes Design besitzen kann, zeigte die Präsentation "The Power of Nature" bei der diesjährigen Flower Show. In der dunklen Steinmauer befanden sich beispielsweise Solar-Panels und zwischen der Bepflanzung steckten Solarröhren, die zusammen mit Erdwärmepumpen die nötige Energie für Haus und Garten lieferten. Unter diesen Umständen ist es auch vertretbar, seinen Pool oder Schwimmteich beheizen zu lassen - ganz ohne schlechtes "Natur-Gewissen". Ein gutes Regenwassermanagement mit Dachbegrünung und Regenwasserzisterne sowie die professionelle Nutzung von Erdwärme und Sonnenenergie für das Erwärmen von Wasser und Wohnraum wird immer mehr zu unserer Pflicht.

Quelle: Petra Reidel

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