Floristik - Artikel Februar 2011
Tulpen lieben es kühl. Je kühler desto länger stehen sie in der Vase. Es reichen wenige Grade im Plusbereich und sie beginnen aufzublühen. Tulpen gehören zu den wenigen Sorten die sich mit einem geraden Messeranschnitt wohler fühlen als mit einem langen schrägen.(Die langstieligen Französischen sind hiervon ausgenommen.) Sie lieben einen niederen Wasserstand der bei Bedarf aufgegossen wird. Das Wasser nicht auswechseln. Denn beim Herausnehmen verlieren Tulpen ihre Form und sie finden sich nur schwer in einem neuen Zustand zurecht. Eine deutlich kürzere Haltbarkeit ist die Folge.
Bei Tulpen spricht einiges dafür, sie alleine in die Vase zu stellen. Nicht weil sie Schleim absondern, sondern weil sie auch nach dem Schneiden in der Vase weiterwachsen. Den zu erwartenden Längenzuwachs bei der floristischen Gestaltung zu berücksichtigen, ist für uns Floristen eine Herausforderung. Ein Strauß mit Tulpen verändert sich täglich und kann zu einem regelrechten Erlebnis werden.
Mir fällt dazu immer wieder eine eigene Erfahrung mit einem Strauß weißer Tulpen der Sorte ‘Pax’ ein. Über Wochen beobachtete ich sie: Erst ihr Aufblühen, verbunden mit gut 10 cm Wachstum. Ihr Duft, der das ganze Zimmer eroberte. Wie sich ihre Wuchsrichtung änderte und die porzellanartige Oberfläche zur papierenen mutierte. Zum Schluss trocknete sie sogar ein und verharrte. Berühren durfte ich sie nicht, denn sie fiel sofort in sich zusammen und entlockte der Vase einen unbarmherzigen Gestank.
Ein Auszug aus Christa Dickasons spannendem Roman „Der Tulpenkönig“ lässt uns die Bedeutung der Tulpe in der Vergangenheit erkennen: „In den Jahren zwischen 1634 und 1637geriet ein Teilbereich der holländischen Wirtschaft außer Kontrolle. Eine Spekulationshysterie heizte den Markt über die Grenzen der Vernunft hinaus an. Man benötigte spezielle Börsen, an denen ausschließlich mit einer Ware gehandelt wurde. Anlegersyndikate wurden in Wirtshäusern und Schenken gegründet. Grabenbauer und Wäscherinnen spekulierten genauso zügellos wie Kaufherren und Edelleute. Der Börsenkrach von 1637 war nicht minder spektakulär als der Wall-
Street-Zusammenbruch von 1929 und hat angeblich ebenso viele Menschen in den Selbstmord getrieben. Die Handelsware, die so viele Leben zerstörte, war nicht etwa Seide oder Gold, nicht Gewürze oder gar Opium. Es war die Tulpenzwiebel.“
Auch heute noch sind sich die Historiker im Unklaren darüber, wie es zu einer derartigen „Tulipamanie“ in Holland kommen konnte. Zwiebeln einzelner Sorten brachten Beträge, mit denen man ein Wohnhaus im besten Stadtviertel von Amsterdam hätte kaufen können.
Für 5400 Gulden, was dem 15-fachen Jahreseinkommen eines durchschnittlichen Maurers entsprach, wechselte eine ungefähr 10 g schwere Zwiebel der Sorte ‘Admiral van Enkhuijsen’ ihren Besitzer. Die Versteigerung fand im Februar des Jahres 1637 statt, also zu einer Jahreszeit, in der die Tulpenzwiebel noch im Boden war. Nur wenn man den gigantischen Preis bedenkt, lässt sich der Wert der Tulpenfeste der türkischen Paläste ermessen:Im Jahre 1726 inszenierte ein Großwesir ein Spektakel zu dem 500 000
Tulpenzwiebeln gepflanzt wurden.
Die ursprüngliche Heimat der Tulpe ist Zentralasien. In einem Umkreis von etwa 1000 km sind 120 Wildtulpenarten bekannt. Daraus entstanden über 5600 verschiedene Sorten, eingeteilt in 15 verschiedene Gruppen. Heute wird mit nur 20 Sorten etwa die Hälfte des Gesamtbedarfs abgedeckt. Man bedenke dabei, dass alleine Holland 2 Mrd. Tulpen alljährlich exportiert.
Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß mit den Tulpen. Wenig kann an einem grauen, finsteren Tag das Herz mehr erfreuen als ein Strauß bunter Blumen. Die ständige Veränderung fordert Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung mit den natürlichen Wachstumsprozessen.
Blumige Grüße wünscht Eleonore Schick, Floristmeisterin.
Elobana

