Die Welt der Heilkräuter

Früher sind die Menschen davon ausgegangen, dass die Blatt- oder Blütenform auf die Wirkung der Pflanze schließt. So wird zum Beispiel das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), auch Lungwurz genannt, seit dem Mittelalter gegen Lungenleiden eingesetzt. Vieles wurde natürlich auch einfach ausprobiert, da es noch kein fundiertes Heilwissen gab. Hier wurde ganz klar, nach dem Ansatz „Versuch und Irrtum“, das Risiko zum Scheitern eingegangen.

Das Team Rauch beantwortet Fragen rund um das Thema „Nachhaltig Gärtnern“, klärt alte Mythen auf und bringt die Natur wieder in die Gärten von heute zurück.

Jörg Rauch mit einem Rosmarinstrauch

Woher stammt das Wissen?

Früher sind die Menschen davon ausgegangen, dass die Blatt- oder Blütenform auf die Wirkung der Pflanze schließt. So wird zum Beispiel das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), auch Lungwurz genannt, seit dem Mittelalter gegen Lungenleiden eingesetzt. Vieles wurde natürlich auch einfach ausprobiert, da es noch kein fundiertes Heilwissen gab. Hier wurde ganz klar, nach dem Ansatz „Versuch und Irrtum“, das Risiko zum Scheitern eingegangen.

Als wohl bekannteste Vertreterin und Vorreiterin der Pflanzenheilkunde gilt Hildegard von Bingen. Sie hat bereits im 12. Jahrhundert in verschiedenen Büchern über Krankheiten und deren Behandlung mit Heilkräutern aufgeklärt. Ihre kirchliche Tätigkeit schützte Hildegard von Bingen vor der Hexenverfolgung, wodurch ihr Wissen erhalten werden konnte und das so vieler anderer verloren ging.
In Vergessenheit geraten

Durch die Urbanisierung unseres Landes und dem Trend zur designten Natur in unseren Gärten, sind viele Heilkräuter aus unserem Sichtfeld verschwunden – und mit ihnen das Wissen um ihre Wirkungen. Die heute als Tee bekannte Echte Kamille (Matricaria chamomilla L.) konnte man früher an jedem Wegesrand finden und der Huflattich (Tussilago farfara), der oft als Unkraut ausgerupft wird, kann zu einem milden Hustentee zubereitet werden. Rosmarin (Rosmarinus officinalis) verbessert die Konzentration und Mariendistel (Silybum marianum) kann sogar die leberzerstörende Vergiftung durch den Knollenblattpilz heilen.

Durch Missbrauch sind einige Heilpflanzen leider auch verboten worden. Mohn, zum Beispiel, gilt heute als illegales Opiat, obwohl man es früher in geringer Dosis bedenkenlos als Schlafmittel für Kinder eingesetzt hat.

Für den eigenen Medizingarten

Wichtig für den gewünschten Erfolg, ist die richtige Zubereitung und Anwendung. Manche Pflanzen eignen sich nur zum Räuchern, aber haben keine Wirkung als Tee oder Lotion. Eine gleichsame Rolle spielen Erntezeit, Einnahmezeitraum, benutzte Pflanzenteile und Wechselwirkungen beim Mischen von verschiedenen Kräutern!

Beinwell (Symphytum) kann äußerlich aufgetragen als Creme bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen entzündungshemmend und abschwellend wirken. Die Wurzeln der Echten Engelwurz (Angelica archangelica) wurden früher als Heilmittel gegen die Pest benutzt und können aber auch noch heute als Likör bei Verdauungsproblemen helfen. 

Aus den Mädesüßblüten (Filipendula ulmaria) wird der Stoff gewonnen, der in abgewandelter Form synthetisch für Aspirin hergestellt wird. Außerdem wirken die Blüten und Blätter als aufgekochter Tee schweiß- und harntreibend, entzündungshemmend und antirheumatisch.

Blauer Salbei – nützlich und wunderschön!

Wer nicht ganz so viel Platz in seinem Garten hat, kann sich auch mit kleineren Gewächsen einen Medizingarten anlegen. Zum Beispiel beruhigt und entspannt Echter Lavendel (Lavandula officinalis), Zitronenmelisse wirkt schlaffördernd und löst Nervosität, Ringelblume (Calendula officinalis) lindert Sonnenbrand und Salbei bekämpft Husten und Schnupfen.

3 Gründe für die biologische Pflege von Heilpflanzen

1. Gerade Pflanzen, die man verzehren möchten, sollten giftfrei sein
2. Die Wirkung kann durch Gifte vermindert werden
3. Durch chemische Stoffe kann es zu Wechselwirkungen kommen

Rauch’s Ratschläge für Sie

1. Jede Heilpflanze muss anders zubereitet und gebraucht werden, weshalb Sie sich vorher immer gut informieren sollten.
2. Hören Sie auf die Natur! Wenn eine bestimmte Heilpflanze in Ihrem Garten von ganz alleine auftaucht, hat das womöglich etwas zu bedeuten.
3. Heilpflanzen ersetzen nicht vollkommen die Fortschritte der modernen Medizin. Sie sollten aber trotzdem in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden.

Team Rauch empfiehlt

Vergessene Mythen, fesselnde Geschichten und nützliche Informationen zu Heilpflanzen finden Sie in dem Buch „Medizin der Erde“ von Susanne Fischer-Rizzi.

Heilpflanzen haben oft einen Mehrfachnutzen – viele sehen schön aus und schmecken sogar! Ihre Pollen und ihr Nektar dienen außerdem als wichtige Quelle für Nützlinge.
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